| Ein Gewächshaus, Glashaus oder Treibhaus
ist eine lichtdurchlässige Konstruktion, die das
geschützte und kontrollierte Kultivieren von Pflanzen
ermöglicht. Die Eindeckung - traditionell aus Glas,
heute oft aber auch aus transparenten Kunststoffplatten
oder -folien - erhöht einerseits durch
denGlashauseffekt die Temperatur im Gewächshaus,
andererseits schützt sie aber auch die Pflanzen vor
Niederschlägen oder starken Winden. Durch Regelung
verschiedener Faktoren wie z. B. der Lufttemperatur und
der Bewässerung ist eine Steuerung des Klimas innerhalb
des Gewächshauses möglich. Daher können in
Gewächshäusern die erforderlichen Wuchsbedingungen der
in ihnen kultivierten Pflanzen optimiert oder gar, wie
zum Beispiel für einen ganzjährigen Gemüseanbau im
mitteleuropäischen Klima, erst geschaffen werden.
Gewächshäuser dienen primär der gartenbaulichen
Produktion bzw. Zucht, überdies aber auch zu
Forschungszwecken oder zur Zurschaustellung (botanische
Gärten).
Geschichte
Im Kontext des europäischen Kolonialismus bildete
sich die Mode heraus, als exotisch empfundene Zier- und
Nutzpflanzen insbesondere aus Asien, Amerika und
Australien zu sammeln. Diesen sogenannten Pflanzenjägern
ermöglichte das in den 1830er Jahren von Nathaniel Ward
entwickelte Miniaturgewächshaus nun auch den Transport
empfindlicher Pflanzen nach Europa. Um diese tropischen
Pflanzen unter europäischen klimatischen Bedingungen zu
erhalten, war eine Weiterentwicklung der Orangerien
erforderlich. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts waren
Treibhäuser als Glas-Holz-Konstruktionen entstanden,
allerdings nur vereinzelt mit ersten verglasten
Satteldächern, z. B. das Eiserne Haus in
Stuttgart-Hohenheim (R. F. Hr. Fischer, 1789 oder 1791).
Ein weiterer Bautyp sind die lean-to greenhouses,
bei denen sich ein schräges Glasdach an eine nach Norden
abschirmende massive Wand anlehnte.
Impulse für die Entwicklung des Gewächshauses kamen
auch aus dem Ananasanbau in Europa. Besonders in England
war die Kultivierung dieser tropischen Frucht im 18. und
19. Jahrhundert verbreitet. Die damals kaum
transportierbaren und deshalb seltenen Ananasfrüchte
wurden als Status- und Prestigesymbol wohlhabender
Gesellschaftsgruppen aufwändig in kleinen Treibhäusern
(pinery) oder mit Glasfenstern abgedeckten Gruben
(pineapple pit) erzeugt.
Die Industrialisierung eröffnete neue Möglichkeiten
der Verwendung von Eisen und Glas als Baustoffe. Anfang
des 19. Jahrhunderts experimentierten in England George
Steward Mackenzie und John Loudon mit den curvilinear
houses, das sind Gewächshäuser mit halbkreisförmig
gewölbtem Eisen-Glasdächern um möglichst viel
Sonnenlicht gleichmäßig zu nutzen. Mackenzie entwarf
1812 ein quarter-sphere-hothouse zum Pfirsich- und
Weinanbau, das aus einer gläsernen Viertelkugel vor
einer gemauerten Wand bestand. Louden errichtete 1818 in
Bayswather bei London verschiedene
Versuchsgewächshäuser, um die günstigste
Konstruktionsform für eine optimale Sonneneinstrahlung
experimentell zu finden. Er veröffentlichte 1817 die Remarks
on the Construction of Hothouses und 1818 die Sketches
Of Curvilinear Houses, welche europaweit rezipiert
wurden und die weitere Entwicklung der
Glashauskonstruktion maßgeblich beeinflussten.
Die früheste bekannte Warmwasser-Zentralheizung wurde
1716 von Marten Trifvald für ein Treibhaus in Newcastle
gebaut. Jedoch fand erst ab etwa den 1830er Jahren die
Dampfheizung bei Gewächshäusern größere Verbreitung
und löste ältere Einzelöfen ab.
Diese Glashäuser, auch Pflanzenmuseen genannt, die
die zusammengetragenen Exponate im Zeichen von
Naturbeherrschung und Exotik inszenierten, verbreiteten
sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den
Metropolen Europas und Nordamerikas vor allem in den
botanischen Gärten als auch in städtischen Parks als
kommerzielle Vergnügungsstätten. Beispielsweise wurde
in Wien 1882 das Schönbrunner Palmenhaus
eröffnet. In Berlin entstand von 1905 bis 1907 das Große
Tropenhaus im botanischen Garten. Ein herausragendes
Beispiel für die Gewächshausarchitektur des 19.
Jahrhunderts sind die Serre du Congo und Grote
wintertuin im Park des Schloss Laken im Norden
Brüssels.
Aufbau und Komponenten eines
Gewächshauses
Grundbestandteile eines Gewächshauses sind:
- Das zumeist auf einem (zugleich gegen Bodenfrost
schützendes) Fundament ruhende Tragwerk des
Gewächshaus aus Mauerwerk, Holz oder wie im
Erwerbsgartenbau üblich aus einer aus Stahl
und/oder Aluminium bestehenden
Metallkonstruktion.
- Die für Licht durchlässige Eindeckung aus
Glasscheiben, Kunststoff-Folien (zum Beispiel aus
PVC oder PE, teilweise auch in mehrlagiger oder
beschichteter Ausführung für bessere
Haltbarkeit und Lichtdurchlässigkeit) oder aus
Kunststoffplatten (beispielsweise aus Plexiglas
(PMMA), Polycarbonat, glasfaserverstärktem
Polyester (GUP) oder PVC). Kunststoffplatten
werden häufig aufgrund besserer Isolierwirkung
in Form von Holmkammerplatten (Stegdoppelplatten
- auch kurz SDP genannt- oder Stegdreifachplatten
- auch kurz S3P genannt -) genutzt.
- Die Kulturflächen für die anzubauenden
Pflanzen. Man unterscheidet zwischen
verschiedenen Beetformen, Tischen oder Hängen
(Hängekonstruktionen). Das Bodenbeet hat
Anschluss an den gewachsenen Boden, beim Grundbeet
hingegen ist die kulturtragende Substratschicht
vom gewachsenen Boden durch eine Sperrschicht aus
Beton oder Folie getrennt. Beim Trogbeet
ist das Kultursubstrat in Tröge aus zumeist
Beton eingebracht, die Substratschicht hat somit
auch in diesen keinen Anschluss an den
gewachsenen Boden. Die Kultur auf Tischen
findet Anwendung bei getopften Pflanzen; die
Tische bzw. Tischplatten sind entweder
feststehend oder auch (zur besseren
Raumausnutzung durch Entfall von Wegeflächen)
verschiebbar ausgeführt. Durch
Hängevorrichtungen in Form von Gehängen für
Einzeltöpfe, Rinnen u. a. kann zwar die
Nutzfläche durch Nutzung von Raum über den
Beeten oder Tischen erhöht werden, nachteilig
bei Hängekulturen ist aber die Behinderung des
Lichteinfalls auf tiefer gelegene Kulturflächen
und die umständlichere Kulturpflege.
- Vorrichtungen zur Lüftung zwecks Beeinflussung
des Sauerstoff- und Kohlendioxidgehaltes der
Gewächshausluft und zur Temperaturregelung.
Viele Gewächs-/Glashäuser sind überdies
ausgestattet mit:
- Anlagen zur Bewässerung bzw. zur Beregnung
- Heizung
- Einrichtungen zur Schattierung oder Verdunklung,
z. B. mittels bedarfsweise kompakt
zusammenraffbarer Schattiergewebe.
- Elektrischer oder elektronischer
Steuerungstechnik (Gewächshauscomputer) zur
Klimaregelung und Bewässerungsautomation
- Sogenannten Energieschirmen als
zusätzlicher Isolierung gegen Wärmeverluste, z.
B. aus UV-stabilisierter Luftpolsterfolie
- Insektennetzen
- Belichtungsanlagen zur künstlichen Beleuchtung
der Kulturen
- CO2-Düngungsanlagen zur
Kohlenstoffdioxid-Düngung
- Kraftwärmeanlagen (Kraft-Wärme-Kopplung)
Funktionsweise
Man unterscheidet bei den Gewächshäusern je nach
Innenraumtemperatur
- Kalthäuser für Temperaturen unter
12 °C,
- Temperierte Häuser für Temperaturen von
12 °C-18 °C,
- Warmhäuser (Treibhäuser, engl. Hothouse)
für Temperaturen über 18 °C.
Bei Sonneneinstrahlung kommt es im Gewächshaus zu
einer raschen und stärkeren Erhöhung der
Innentemperatur im Vergleich zur Luft- und
Bodentemperatur außerhalb des Gewächshauses. Der Grund
hierfür ist eine Art Wärmestau: die Energie der
Sonnenstrahlung erwärmt zunächst den Boden, die
Pflanzen und Teile des Gewächshauses, doch die von ihnen
wieder abgegebene Wärmestrahlung (Infrarot) wird von der
für diese weitgehend undurchlässigen Eindeckung des
Gewächshauses zurückgehalten.
Dieser Glashauseffekt (Benennung von J. Fourier) wird
auch bei Wohnhäusern (Wintergärten) und Dachflächen
(z. B. Ateliers) genützt, aber auch im Großen bei
Orangerien und Schlössern. Die vom aufgeheizten
Innenraum erwärmte Luft wird bei geschlossenen
Glasflächen von außen aufgrund des geringen
Luftaustausches nur wenig abgekühlt. Hingegen wird fast
alle Infrarotstrahlung vom Glas und dem Bau selbst in den
Raum zurück reflektiert ( selektive Transparenz).
Allerdings kann sich an einem normalen Sonnentag die
Innentemperatur auf pflanzenschädliche 35 °C und mehr
erhöhen. Daher muss man Gewächshäuser auch lüften
können, was meist mit Dach- oder Stehwandlüftung
erfolgt, auch bekannt unter First- und
Seitenwand-Lüftungsklappen.
Kleingewächshäuser
Im Kleingewächshaus geht es nicht um
Massenproduktion, sondern um die Liebe zu Pflanzen und
die Möglichkeit das Gartenjahr zu verlängern. Ein
Kleingewächshaus ermöglicht je nach Klimatisierung
über Heizung, Lüftung, Schattierung unterschiedliche
Nutzungsarten:
- den verlängerten oder ganzjährigen Anbau von
Gemüse und Kräutern im eigenen Garten
- eigene Jungpflanzenanzucht
- Überwinterung von Kübelpflanzen, Obstgehölzen
in Kübeln
- Treiberei (Schnittlauch, Schnittblumen)
- Weinanbau auch im weniger geeigneten Klima
- Beherbung von kälteempfindlichen bzw.
wärmebedürftigen Pflanzensammlungen: Kakteen,
Bonsai, Farne, Palmen, Orchideen.
Für den Hobbygärtner gibt es ein großes Sortiment
an Kleingewächshäusern. Sie unterscheiden sich z. B.
hinsichtlich Größe, Konstruktion, Eindeckungsmaterial,
technische Ausstattung (Temperierungseinrichtungen,
Bewässerungseinrichtungen ).
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